1840 läuteten die drei Glocken in unserem Dorfkirchlein - nein, Entschuldigung, so klein ist es nun auch nicht, immerhin hat es sogar zwei Emporen -, also im Jahr 1840 läuteten die drei Glocken in unserer Dorfkirche das erste Mal zur Weihnachtsandacht. Gegossen hatte sie ein Glockengießer der Königlich Sächsischen Stückgießerei Dresden, Sigismund Schröttel. Ich weiß es nicht genau, aber vermutlich wurden die Glocken ganz klassisch gefertigt: Die Form des Glockenkerns wird hohl gemauert und mit Lehm verkleidet. Auf einer zweiten Lehmschicht werden dann Inschriften und Verzierungen mit Wachs aufgetragen und als Glockenmantel wiederum mit Lehm umgeben. Nach dem Brennen gießt der Meister dann an einem Freitagnachmittag um 15.00 Uhr die eigentlichen Glocken aus Zinnbronze. - Faszinierend. Das Ritual, und vor allem auch, dass der Glockengießer genau weiß, wie er welchen Ton der Glocke erreichen kann. Ein Geheimnis der Glockengießer. Ich glaube auch gelesen zu haben, dass jede Glocke einen Namen bekommt. Jede Glocke ist etwas ganz Besonderes.
Um 1840 muss es sehr still auf den Straßen gewesen sein, noch ruhiger als heute. Umso schöner das Rufen der drei Glocken, ihr langsames Einschwingen bis zum vollen Klang, ihr Rufen zum Gebet, zu Taufen, zum Abschied, nützlich auch als Warnung bei Feuer.
Ein Menschenleben später aber verstummten sie – zwei der Glocken waren abgeholt worden, um Kanonen daraus zu gießen. Wohlklang zu Zerstörung. Doch: sie kamen zurück. Die originalen Klöppel fehlten zwar, aber die Glocken selbst waren unbeschadet geblieben. Irgendein kluger Mensch hatte sie beschützt. Und auch im nächsten Krieg mussten wiederum zwei der Glocken, wohl die beiden größeren, 450 und 200 kg schwer, hergegeben werden. Aber auch dieses Mal fanden sie glücklich wieder nach Hause - 1948 riefen sie wieder gemeinsam zur Weihnachtsandacht.
Und so konnte ich in den letzten Jahren ihr nahes Läuten hören, nicht motorisch geläutet, sondern noch per Hand (insgeheim habe ich die freiwilligen Glöckner immer ein bisschen beneidet). Und etwas ganz Besonderes hat es, an Heiligabend (sonst gehe ich eher selten zur Kirche) unter dem Klang der drei Glocken durch den Schnee zu stapfen, Freunde und Bekannte zu treffen, das Krippenspiel zu sehen, bei dem man alle Mitspielenden, vom Kindergartenkind bis zum Erwachsenen, kennt, über klemmende Orgeltasten zu kichern, und schließlich auch vom Dreiklang wieder nach Hause begleitet zu werden, der alles übertönt und auch die inneren Stimmen mit sich schwingen lässt.
Als Weihnachtsspaziergang wurde mir übrigens eine sachkundige Führung auf den Glockenturm versprochen, und dann muss ich unbedingt herausfinden, wie die Glocken heißen und auf welchen Ton bzw. nach welchem Motiv sie gestimmt wurden.
Und hier zum Anhören ein Beispiel, damit etwas Weihnachtsstimmung aufkommt:
Glockenläuten, dreistimmig
Frohe Weihnachten ringsum!
Nachtrag nach Glockenturmkletterei: A Cis E