Die kleinen Augenblicke
Der Nebel hielt nun schon den dritten Tag an. Die weiß-graue Diesigkeit wurde von der Fensterscheibe abgewehrt und ließ dennoch das Unbehagen alles zersetzender Feuchtigkeit spüren. Es half nichts, ich musste nun trotz meines Wunsches nach Wärme und Eingehülltsein nach draußen und wenigstens ein paar Besorgungen erledigen. Die dichte Laubschicht auf dem Gehweg hatte sich von dem vor Tagen noch raschelnden Bunt in eine einheitlich moderige Masse verwandelt. Es machte nicht nur keinen Spaß mehr, durch diesen ehemals rot-gelb-braunen Herbst hindurchzustöbern, ich musste auch vorsichtig gehen, um nicht überraschend im glitschigen Schmutz zu fallen. Ab und an begegneten mir die verschwommenen Umrisse Vorübergehender. Kein klar konturiertes Gesicht, kein wahrnehmbares Lächeln - stumme Nebelgestalten, näher kommend und - noch bevor ein Erkennen möglich gewesen wäre - wieder verwischt und verschwindend im Grau. Für einen Augenblick ließ meine Aufmerksamkeit für die Moderschichten und ihre Gefahren nach, und ich versuchte, etwas im Nebel zu erkennen, jemanden zu entdecken, vielleicht etwas Besonderes wahrzunehmen, etwas, das einen lichten Moment verhieß. Und sofort rutschte ich aus, als wäre es strafwürdig, die Augen auch nur kurz von der Realität abzuwenden. Doch noch vor dem eigentlichen Erschrecken, der Angst und der Resignation angesichts des sich einstellenden Unvermeidlichen, spürte ich eine haltende Hand, eine warme Hautberührung. Ein Blick in fremd vertraute Augen, ein Lächeln, ein wiederkehrendes Gefühl erleichterter Beruhigung. Mit einem Dank ging ich weiter, wissend, dass der Nebel nicht von Dauer sein könne.
punctum - 10. Okt, 21:24
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Iggy - 11. Okt, 12:40
das war
wirklich ein lichter augenblick im nebel.
und ich hatte beim lesen tatsächlich das gefühl, auszurutschen... kein gutes gefühl!
lieben gruß in die weißgraue diesigkeit. ;)
und ich hatte beim lesen tatsächlich das gefühl, auszurutschen... kein gutes gefühl!
lieben gruß in die weißgraue diesigkeit. ;)
punctum - 11. Okt, 19:54
So gesehen stimmt das mit dem Nebel ja gar nicht - es regnet nur schon den zweiten Tag ganz fies und nieselig. Das perfekte Wetter für Badewanne-Weinglas-Buch. Lieben Gruß zurück :-)
testsiegerin - 11. Okt, 19:59
Man kann den Nebel in diesem Text richtig spüren.
punctum - 11. Okt, 20:04
Das ist ja schön! (also das Spürenkönnen und die Wortmeldung, der Nebel eher weniger) Ich guck jetzt Konserven-Film, hab ich beschlossen - Kirschblüten Hanami. Schönen Abend noch :-)
testsiegerin - 11. Okt, 20:11
oh. den tät ich auch gern sehen. hab ihn im kino immer versäumt.
punctum (Gast) - 11. Okt, 20:21
Ich eben auch! Aber der Fundus der Nachbarn ist unerschöpflich, und da fand ich ihn gerade. Ich würde Dich ja gern einladen - Sessel wäre auch noch frei, Weinflasche ist geöffnet - und jetzt geht's los...
punctum - 11. Okt, 22:56
Wow. Sehr empfehlenswert.












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