Wie weit ist es bis nach Dawson City?
Nach zehn Jahren des Nichtsehens schien er kaum verändert - immer noch diese berückenden blauen Augen, die angenehm beruhigende Stimme, der man einfach nur zuhören mochte. Die Erzählungen von seiner Arbeit, seinen beruflichen Erfolgen klangen nach Zufriedenheit, strahlten Sicherheit aus, ebenso wie die nett eingerichtete Wohnung. Demnächst würde er sich nach einer passenden Partnerin umsehen, vielleicht ein, zwei Kinder haben - mit einem Augenzwinkern eher beiläufig ins Gespräch eingestreut. Was spräche auch gegen ein solch nettes Glück, ein Arrangement der Zufriedenheit?
Da sah ich es in der Ecke des Zimmers, auf einem kleinen Tischchen, halb vergraben von Büchern und dem Raum etwas abgewandt - das alte Foto, das ich ihm vor vielen Jahren mal geschenkt hatte. Schneetragende Felsenspitzen, überhoch ragend über dem Tal des Flusses, dessen wilder Macht ein Kajak ausgeliefert schien. Eine Erinnerung an unsere Kindheit, in der wir davon geträumt hatten, die Goldgräberstädte am Yukon zu erobern, mit Spitzhacke und Hundeschlitten zu unserem Claim aufzubrechen, in eisiger Einsamkeit, mit stets bedrohlichen, aber immer gemeisterten Gefahren. Wir hatten uns vorausschauend ein Konstrukt aus verschiedenen Sieben gebastelt, sämtlich geklaut in der elterlichen Küche, und am nahen Bach schon mal versucht, zumindest etwas Gold für die Finanzierung der Reise zu waschen. Und der zwar gutmütige, aber mit unseren Anforderungen an einen wirklich guten Schlittenhund leicht überforderte Golden Retriever der Nachbarn musste im Winter eine zeitlang unsere ersten Versuche als Musher ertragen. Unsere tiefgreifenden Kenntnisse schöpften wir aus diversen Abenteuerbüchern über den rauhen Zauber des Goldgräberdaseins. Wir lasen alles von Jack London, später dann auch James A. Micheners "Klondike", legten Vorratslager für die Verpflegung an und versuchten uns mehr oder weniger erfolgreich am Bau von Schneehöhlen.
Ich strich lächelnd über das Bild und kramte aus meiner Tasche die Zeitung, die ich ihm mitgebracht hatte. Ungläubig las er das, was ich für ihn angestrichen hatte: Dawson City, hin und zurück: nur 536 €! - Was?! So billig ist das, so einfach soll das gehen?! Was für ein Mist! Er legte die Zeitung zusammen und schob sie zur Seite. Dawson City war einfach doch zu weit entfernt.
Da sah ich es in der Ecke des Zimmers, auf einem kleinen Tischchen, halb vergraben von Büchern und dem Raum etwas abgewandt - das alte Foto, das ich ihm vor vielen Jahren mal geschenkt hatte. Schneetragende Felsenspitzen, überhoch ragend über dem Tal des Flusses, dessen wilder Macht ein Kajak ausgeliefert schien. Eine Erinnerung an unsere Kindheit, in der wir davon geträumt hatten, die Goldgräberstädte am Yukon zu erobern, mit Spitzhacke und Hundeschlitten zu unserem Claim aufzubrechen, in eisiger Einsamkeit, mit stets bedrohlichen, aber immer gemeisterten Gefahren. Wir hatten uns vorausschauend ein Konstrukt aus verschiedenen Sieben gebastelt, sämtlich geklaut in der elterlichen Küche, und am nahen Bach schon mal versucht, zumindest etwas Gold für die Finanzierung der Reise zu waschen. Und der zwar gutmütige, aber mit unseren Anforderungen an einen wirklich guten Schlittenhund leicht überforderte Golden Retriever der Nachbarn musste im Winter eine zeitlang unsere ersten Versuche als Musher ertragen. Unsere tiefgreifenden Kenntnisse schöpften wir aus diversen Abenteuerbüchern über den rauhen Zauber des Goldgräberdaseins. Wir lasen alles von Jack London, später dann auch James A. Micheners "Klondike", legten Vorratslager für die Verpflegung an und versuchten uns mehr oder weniger erfolgreich am Bau von Schneehöhlen.
Ich strich lächelnd über das Bild und kramte aus meiner Tasche die Zeitung, die ich ihm mitgebracht hatte. Ungläubig las er das, was ich für ihn angestrichen hatte: Dawson City, hin und zurück: nur 536 €! - Was?! So billig ist das, so einfach soll das gehen?! Was für ein Mist! Er legte die Zeitung zusammen und schob sie zur Seite. Dawson City war einfach doch zu weit entfernt.
punctum - 27. Sep, 14:07
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