Geträumt
Jeder Schritt hinterlässt ein Echo, das von den Hauswänden direkt in meinen Kopf dröhnt. Würde ich meine Arme ausbreiten, könnten meine Fingerspitzen die Mauern links und rechts erspüren. Bei Tageslicht romantisch, in der Nacht Angst ausströmend. Warum eigentlich? Hoch aufgerichtete Wände, in der Dunkelheit nur zu erahnen. Neigen sie sich, stürzen sie ein? Weitergehen, nur weiter - dem möglichen Fallen der Steine entkommen. Der glatte, klare Asphalt wird von Kopfsteinpflaster abgelöst. Die Schritte stecken fest, stolpern vorwärts. Türen schließen sich, ungesehen, öffnen sich. Kein Licht. Stille. Der Boden wandelt sich zu verlogenem Sand ohne Halt. Das Vorwärtsgehen wird noch mühsamer. Ich könnte um Licht bitten, in eine offene Tür eintreten, aber ich will bis ans Ende dieser Gasse gelangen. Warum? Um zu erkennen? Was? Erschöpft, zerzaust, schweißdurchnässt und völlig unperfekt fühle ich, wie sich die Grenzen entfernen. Das Ende der Gasse. Wege öffnen sich. Der Weg Dahin - verlockend durch endlose Weite, besorgend gesäumt durch einstürzende Gebäude. Der Weg Dorthin - verschwommen in silbernem Dunst, unklar in jedem Gedanken. Kann ich, soll ich wählen? Ich wähle das Aufwachen, das geht schon erst mal leicht.
punctum - 19. Mai, 23:28
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