Geträumt
Jeder Schritt hinterlässt ein Echo, das von den Hauswänden direkt in meinen Kopf dröhnt. Würde ich meine Arme ausbreiten, könnten meine Fingerspitzen die Mauern links und rechts erspüren. Bei Tageslicht romantisch, in der Nacht Angst ausströmend. Warum eigentlich? Hoch aufgerichtete Wände, in der Dunkelheit nur zu erahnen. Neigen sie sich, stürzen sie ein? Weitergehen, nur weiter - dem möglichen Fallen der Steine entkommen. Der glatte, klare Asphalt wird von Kopfsteinpflaster abgelöst. Die Schritte stecken fest, stolpern vorwärts. Türen schließen sich, ungesehen, öffnen sich. Kein Licht. Stille. Der Boden wandelt sich zu verlogenem Sand ohne Halt. Das Vorwärtsgehen wird noch mühsamer. Ich könnte um Licht bitten, in eine offene Tür eintreten, aber ich will bis ans Ende dieser Gasse gelangen. Warum? Um zu erkennen? Was? Erschöpft, zerzaust, schweißdurchnässt und völlig unperfekt fühle ich, wie sich die Grenzen entfernen. Das Ende der Gasse. Wege öffnen sich. Der Weg Dahin - verlockend durch endlose Weite, besorgend gesäumt durch einstürzende Gebäude. Der Weg Dorthin - verschwommen in silbernem Dunst, unklar in jedem Gedanken. Kann ich, soll ich wählen? Ich wähle das Aufwachen, das geht schon erst mal leicht.
punctum - 19. Mai, 23:28
12 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
tinius - 20. Mai, 08:37
Ein gut durchmischter Traum. Den hätte ich lieber gehabt als meinen letzten. Der war wirklich zum Weglaufen. :/ LG tinius
punctum - 20. Mai, 09:43
Durchmischt mit dem Traumquirl :-) Kann ich Dir gern mal ausleihen! Was für eine Traumsorte hattest Du erwischt? Die würgende, die fallende, die verlorene?
tinius - 20. Mai, 10:32
Bei mir war es die Onkologiestation eines Krankenhauses - und ich hatte den OP - Termin verpasst....
punctum - 20. Mai, 10:55
Wie schrecklich... Ich wünsche Dir einen erholsamen Wald- und Wiesentraum oder dergleichen, nur nicht so was!
tinius - 20. Mai, 11:49
Kommt davon, wenn man sich über Krebs unterhält und dann eh schon eigene Erfahrung mit dem Thema hat. Aber die nächste Nacht war dann eher ruhig. ;) LG tinius
herold - 20. Mai, 15:48
träume kann man erst dann verwirklichen, wenn man sich entschließt, aufzuwachen. ;)
punctum - 20. Mai, 15:54
Sie sind weise, Herr Herold!
herold - 20. Mai, 15:55
;)
Iggy - 22. Mai, 08:10
wunderbar geschrieben! vor allem das mit dem verlogenen sand finde ich gut.
und ich träume manchmal ähnliches am tage, nur dass es kein traum ist und ich es nie so gut ausdrücken könnte... ;)
und ich träume manchmal ähnliches am tage, nur dass es kein traum ist und ich es nie so gut ausdrücken könnte... ;)
punctum - 22. Mai, 15:15
klar kannst du :-) - und danke!
(jetzt träum ich gerade von viiiiieeel schlaf; ungestört, erholsam, gemütlich...)
(jetzt träum ich gerade von viiiiieeel schlaf; ungestört, erholsam, gemütlich...)
sravana - 22. Mai, 10:47
einen Traum
so gut und interessant zu beschreiben liebe Punctum, könnte ich nicht.
Ich träume nicht oft, doch letzte Nacht erwachte ich unsanft. Im Traum hat mir meine Schwester mitgeteilt, dass meine Mutter im Altersheim vor schon fünf Tagen gestorben sei. Vorgesehen ist, dass ich sie Morgen besuche.
Liebe Grüsse
Ich träume nicht oft, doch letzte Nacht erwachte ich unsanft. Im Traum hat mir meine Schwester mitgeteilt, dass meine Mutter im Altersheim vor schon fünf Tagen gestorben sei. Vorgesehen ist, dass ich sie Morgen besuche.
Liebe Grüsse
punctum - 22. Mai, 15:19
ein schlimmer Traum... am meisten beängstigend sind ja immer die Dinge, die man sich wirklich als wahr vorstellen kann. Ich wünsche Dir jedenfalls sehr, dass es Deiner Mutter gut geht und Dir solche Nachrichten tatsächlich erspart bleiben. Alles Gute für den Besuch - und auch ganz liebe Grüße











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