2
Apr
2008

Danke für diesen Tag

Du fährst zwei Stunden, um ein Referat zu halten. Du weißt schon auf der Fahrt, dass du irgendwie daneben hauen wirst. Dann merkst du bei der Einleitung, dass es das falsche Thema für das falsche Publikum ist. Du stehst neben dir und hörst dich Schwachsinn reden. Nach zehn Minuten beschließt du, dringend unsichtbar zu werden oder günstigerweise einfach an anderem Ort zu sein. Du stellst fest, dass das nicht funktioniert. Du bist da. Und du redest Schwachsinn. Du beschließt, schreiend den Raum zu verlassen. Oder alternativ lächelnd und unter freundlichem Winken. Dann findest du, dass beides nicht wirklich die günstigste Lösung ist. Du hältst durch. Und wirst besser. Während du das feststellst, betten sich die ersten Zuhörer zur Ruhe. Es ist früher Vormittag und die Uhr des Laptops zeigt 22.03 Uhr an. Während du sprichst, stellst du durch eine zufällige Berührung fest, dass sich das Schulterpolster des Blazers keineswegs auf der Schulter befindet, wie eigentlich vermutet, sondern sich eher um deinen Hals wickelt. Du bist kurz vor einem hysterischen Lachkrampf. Du kommst am späten Nachmittag völlig entnervt nach Hause und erfährst, dass deine Kinder dringend gebügelte Hemden bzw. reparierte Hosen brauchen. Du stellst die allgemeine Kommunikation ein und stopfst dich mit sinnlosen Serien voll. Es ist später Abend. Die Uhr des Fernsehers zeigt 13.01 Uhr an. Dein e-Mail-Postfach teilt dir mit, dass du wohl gute und tröstliche Nachrichten erhalten hast. Du kannst sie nicht öffnen, da sich das Netzwerk verabschiedet. Du gehst ins Bett, ziehst dir die Decke über die Ohren und weißt genau, dass beim Erwachen am nächsten Morgen dieser Tag kein Traum sein wird. Äh, ach so - sollte ich hier mal festhalten, wie es mir geht??

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herold - 3. Apr, 10:10

solche tage sind durchaus hilfreich. so können Sie zum beispiel in ein paar jahren ein quiz gewinnen, weil dann außer Ihnen niemand mehr weiß, wann das quorum für das tunnel-bürgerbegehren der stadt dresden überschritten wurde. ;)

punctum - 3. Apr, 12:53

sehr interessant wäre in ein paar jahren ein quiz, wie viele brücken die stadt für das tatsächlich ausgegebene geld hätte bauen können :-)
Iggy - 3. Apr, 14:19

du trägst schulterpolster? selber schult!
ansonsten hört es sich nach einem dieser herrlich vertanen tage an, aber ich bin sicher, das publikum hat gar nix gemerkt, egal von was...
und was meinst du mit "sinnlosen serien"? ttssssssss...

punctum - 3. Apr, 14:25

seltenst, aber zu dem teil passen sie nun mal ganz gut. sofern sie sich da befinden, wo sie hingehören. sonst sieht's natürlich doof aus! auf jeden fall ein tag, der so verrückt war, dass man am ende nur noch darüber lachen konnte. ist ja auch was :-)
(das mit den serien konkretisiere ich jetzt mal nicht, schön erholsam jedenfalls :-)))
Iggy - 3. Apr, 15:34

ich liebe ja ally mcbeal, aber seitdem ich es liebe, wurde es immer mehr abgesetzt... ein fluch irgendwie. :)
punctum - 4. Apr, 14:05

kommt das denn überhaupt noch? skurrile anwälte finde ich ja auch nett. ansonsten gebe ich zu, missing und monk und so was gelegentlich anzusehen. das ist wirklich schön erholsam. fröhlichen wochenendbeginn wünsch ich dir!
Iggy - 4. Apr, 16:09

läuft auf comedy central, und "damals" habe ich es überhaupt nicht gesehen...
dir auch ein schönes wochenende, bei dem wetter sind serien angesagt. obwohl ich für manche wohl zu blöd bin, zum beispiel für "grey's anatomy". ich weiß, es geht irgendwie um ärzte, aber sonst? *gg*
punctum - 6. Apr, 01:04

also das hab ich schon mal gesehen! und ich weiß genau, um was es geht. also es geht um... um... naja... also irgendwie... um... tja... um das sich näherkommen in abstellkammern eines krankenhauses? oder so.
Iggy - 6. Apr, 08:00

den eindruck hatte ich auch, aber ich dachte mir so:
das kann doch nicht alles gewesen sein...
punctum - 6. Apr, 17:19

halt, ich korrigiere mich! also ich hab das zwei oder drei mal gesehen. und eine folge war wirklich genial. also: mittelalterlicher patientin wird irrtümlich mitgeteilt, dass sie baldigst sterben wird. entsetzen, verzweiflung. patientin haut ab. große suchaktion, da sich irrtum inzwischen herausgestellt hat. patientin kommt zurück - vollkommen aufgeblüht, voller tatendrang. hat ihren job gekündigt. die wohnung aufgegeben. den freund rausgeschmissen. und einen einfachflug nach island gebucht. das hat mir gefallen! (dazu hätte ich jetzt auch lust, oder bald, bissel wärmer könnte es noch sein)
Iggy - 8. Apr, 17:16

ein einfachfluch nach island? na gut, wem's gefällt... ich muss ja gestehen, ich liebe diese kälteren länder wie holland oder dänemark oder schweden. aber island???
trotzdem werde ich es nicht gucken... ;)
punctum - 9. Apr, 10:33

letzteres ist zweifellos eine kluge entscheidung! ersteres kannst du dir ja noch mal überlegen, mit rückfluch natürlich. ich find's schon sehr, sehr reizvoll (vor allem landschaftlich).
Sun-ray - 3. Apr, 17:37

ohoh, liebe punctum, das klingt wirklich nach allem, was niemand braucht. oder braucht man's doch? so ganz sicher bin ich mir da mittlerweile nicht mehr.

ich bin mal so frei, mein heutiges katastrophenszenario dagegen zu setzen - vielmehr dranzuhängen. wenig schlaf, der dafür mit grauenhaftem alptraum getränkt. aber positiv denkend will ich den tag beginnen, also sag ich mir angstschlotternd: wie praktisch, dass mich der traum so früh weckte - zeit genug zu ruhigem frühstück.

auf dem weg zum unterricht wiege ich mich in sicherheit: 4 sinnvoll vorbereitete stunden - eigentlich kann gar nix passieren.
tja, immer wenn man denkt, dass man denkt, denkt das leben sich anderes aus. in dem fall, dass nur eine teilnehmerin das buch dabei hat, auf dem ich meine planung aufbaute (von wegen anschauliche illustrationen und methodenwechsel und überhaupt). von zack auf gleich kann ich die gesamte planung in die tonne treten und seh mich mit 4 stunden improvisiertem frontalunterricht konfrontiert. ja sahne!!

ist ja nicht so, als wär ich mit derlei situationen unvertraut - irgendwas ist grundsätzlich immer grundsätzlich anders, als es sein sollte. insofern kam mehr galgenhumor als panik auf: da müsseme dursch, da hilft nur der himmel. ich denke mittlerweile, es liegt wirklich an dieser haltung, dass die absehbaren katastrophen sich dann doch nicht ereignen. okay, man hat echt zu rudern, aber da mach ich mich ganz weich und guck nicht über die unmittelbar nächste welle hinaus. und sag mir: so und nicht anders lernt man improvisieren. zum aufpreis, dass man hinterher mental unter türen durchpasst. aber irgendwie ist es auch gutes gefühl, solche situationen dennoch zu meistern. erst recht, wenn man am schluss immer noch freundlich behandelt wird.

hemden und hosen warteten zwar keine auf mich, dafür langer fußweg in stiefeln, die jene winzigkeit zu klein sind, dass da irgendwann nur noch schmerz ist, wo vorher zehen waren. und nickerchen in der u-bahn, aus dem ich mal wieder sehr unsanft gerissen und an die frische luft gesetzt wurde. da taumelt man noch auf der rolltreppe. aber jetzt ist alles gut - feierabend für heute. ja, bittebitte! auch fein: mein-kata hat heute mal nicht gereiert, mich nur schreiend begrüßt. positiv denkend will ich meinen tag ausklingen lassen .....

und wünsche dir von herzen genau das selbe - ob mit oder ohne serien. kleines solidarisches ächz ..... :o)

ps: von wegen schulterpolsterverunzierung und so - meinereine sieht nach inbrünstigem tafelkreideneinsatz immer aus wie sau. da sagt einem keiner, dass man stundenlang mit weißen patschflecken auf den möpsen rumläuft und orange streifen im gesicht hat, weil man liebevoll mit farbe ausgezeichnet hat.

punctum - 4. Apr, 14:10

auch nicht schlecht :-) ich danke dir für diesen tröstlichen bericht (nichts baut mehr auf, als wenn anderen leuten auch nicht immer und überall alles nach wunsch gelingt) und hoffe, dass auch deine nächsten tage freundlicher zu dir sind. im übrigen - genau so ist es. die amüsieren sich wahrscheinlich köstlich, wenn man etwas vermurkst aussieht - aber keiner sagt was! schweinerei eigentlich :-)) mögen tafelkreidetapser und verrutschte polster über sie kommen!
twoblogs - 4. Apr, 23:17

Vorhin sah ich mir einen voellig uninteressanten Krimi an, liebe punctum. Ich wollte mir nur nicht eingestehen, dass ich darauf wartete, dass E. nach Hause kommt.
Schon der Vormittag verging mit der ziemlich einfallslosen Folge einer Serie beim Frühstück. Dann drei Anruferinnen, die jeweils eine Stunde meiner Zeit in Anspruch nahmen, ohne dass ich in der Lage, ihnen zu sagen, dass ich noch nicht mit der Arbeit begonnen hatte.
Als ich damit endlich anfangen wollte, kamen mir der Reihe nach 27 verschiedene Ideen, die ich aber in keinen mir sinnvoll erscheinenden Zusammenhang bringen konnte. Ich war nicht einmal in Lage, mich aufzuraffen, eine kuerzere Strecke zu laufen, um wenigstens Bewegung zu machen.
Schon am spaeten Nachmittag begannen die Selbstvorwuerfe. Darin bin ich manchmal Meisterin. Sie feilten sich sozusagen von selbst aus.
Ich wusste auch, dass ich E. nicht anrufen durfte, ohne mich zu blamieren, weil sie mir ja erklaert hatte, wen sie treffen und wann sie wo sein wuerde. Ich suchte nach einem Vorwand, fand aber keinen. Das machte mich noch unruhiger.
Ich ging mehrmals – bei verschiedenen Lichtstimmungen - auf die Terrasse, dann auf die Wiese und dort auf und ab. Es nuetzte nichts, kurz frische Luft zu atmen etc.
Ich weiss, das ist nicht vergleichbar und troestet Sie nicht. Ich glaube, ich wollte nur sagen, wie peinlich es sein kann, wenn der Tag zwar ganz privat, aber doch ganz anders ablaeuft, als es gut und richtig gewesen waere, und das brennende Gefuehl nicht nachlaesst, 16 Lebensstunden vergeudet zu haben. Audrii
PS: Sie hingegen haben sich in jeder Hinsicht tapfer geschlagen und sind dann noch zur ironischen Selbstdarstellung faehig!

punctum - 5. Apr, 01:01

Liebe Frau Audrii, ich bin schon auf dem Weg ins Bett, sehr müde und eigentlich gar nicht mehr so recht kommunikationsfähig. Aber Ihr Text berührt mich sehr, so dass ich Ihnen doch gleich noch eine Antwort hinterlassen möchte. So unvollkommen das hier auch sein mag. Ich sehe das so: Es gibt Tage, an denen man vollkommen daneben liegt. Und es gibt Tage, an denen alles gelingt und man einfach glücklich ist. Und wenn der Moment des Glücklichseins nur kurz ist oder wenn der Anlass ein scheinbar geringer ist - es lohnt immer wieder den Versuch. Die Tage des Danebenhauens sind da. Immer wieder. Und sicher auch bei (fast) jedem anderen Menschen. Nur - sie sagen doch nichts über den Menschen an sich aus, dem das passiert. Niemand muss sich in ewig andauernde Selbstvorwürfe vergraben, wenn auch mal alles schiefläuft. Für den Moment sind auch Selbstvorwürfe in Ordnung, aber, meine Güte, auch wenn es mal daneben geht, ist man doch ein Mensch mit vielen anderen Eigenschaften. Die andere Menschen lieben. Und denen es völlig egal ist, ob man auch mal Fehler macht. Möchten Sie Menschen kennen, die unfehlbar sind? Ich nicht. Und wenn ich selbst mir meine Fehler nicht vergeben kann, wer sollte es dann tun? Und wissen Sie, wie befreiend es sein kann, mit anderen Menschen gemeinsam über solche Dinge, über vermeintlich persönliche Katastrophen zu lachen? Es relativiert sehr vieles. Denn ganz eigentlich ist es vielleicht gar nicht so wichtig. Schlimm schon in dem Augenblick, aber doch nicht lebenswichtig. Aus unerfindlichen Gründen fällt mir übrigens gerade James Krüss ein und Timm Thaler. Und ein Zitat, das ich jetzt nicht mehr nachschlagen werde und von dem ich nicht weiß, ob es so korrekt ist (und das im Zusammenhang vielleicht gar nicht so recht passt): "Denn man erkennt den Menschen stets daran, dass er zur rechten Stunde lachen kann...". Bitte, lachen Sie über misslungene Tage. Und geben Sie damit den folgenden Tagen eine gute Grundlage. Es gibt sicher Situationen, in denen einem das Lachen grundsätzlich vergehen mag. Aber wenn man es schafft, über sich selbst lachen zu können, dann kann das sehr hilfreich sein. Und falls ich jetzt für Ihre Begriffe völligen Unfug geschrieben habe, sehen Sie es mir bitte nach, der späten Stunde und der Müdigkeit wegen.
testsiegerin - 6. Apr, 17:38

Zitat: Stellen Sie sich vor, dass Ihre Leser zwar über diesen Text lächeln müssen, dass sie es aber keineswegs aus Schadenfreude tun, sondern weil dergleichen Absurditäten einfach aus dem Leben gegriffen sein müssen. Und nun nehmen Sie dieses Lächeln und behalten Sie es. Gute Besserung!

;-)

punctum - 6. Apr, 17:42

was für ein netter bumerang... ich bin gerührt. vielen dank!
Iggy - 10. Apr, 16:31

off-topic...
was machen denn deine möchtegernstraßenbauer?
hast du sie vertreiben können?

punctum - 11. Apr, 00:09

sie bauen, sie bauen - wenn auch in reduzierter anzahl. erster backpulverversuch erwies sich als mäßig hilfreich. nun werde ich sie ermorden, statt zu füttern :-) (ich denk, ich streu am fenster fein giftiges rosa granulat, das hat das letzte mal perfekt geholfen)
Iggy - 11. Apr, 06:29

ich glaube, über backpulver lachen die sich mittlerweile kaputt.
aber es ist gut, wenn man weiß wo sie herkommen. das weiß ich bei mir immer noch nicht, aber fettlöser gezielt drauf ist sehr wirkungsvoll... ;))
punctum - 11. Apr, 12:52

haha, du hast sie so gut genährt, dass du fettlöser brauchst?! bei mir sitzen die schweinebacken draußen auf der fensterbank und warten, dass jemand öffnet... und dann pilgern sie los. hübsch fein in reihe, den löffel geschultert. du musst ihnen nachschleichen, dann findest du auch den einstieg :-)))
Iggy - 11. Apr, 15:44

dann ist lüften wohl nicht sehr angesagt im moment. *gg*
meine sind recht untypisch, die treten nur einzeln auf, bilden keine straße, nur wenn was leckeres da ist, dann auf einmal wimmeln sie. und dann schlage ich mit dem fettlöser zu... gnadenlos!
so, mach's gut und happy weekend ;)
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punctum - 23. Jul, 16:05

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