Danke für diesen Tag
Du fährst zwei Stunden, um ein Referat zu halten. Du weißt schon auf der Fahrt, dass du irgendwie daneben hauen wirst. Dann merkst du bei der Einleitung, dass es das falsche Thema für das falsche Publikum ist. Du stehst neben dir und hörst dich Schwachsinn reden. Nach zehn Minuten beschließt du, dringend unsichtbar zu werden oder günstigerweise einfach an anderem Ort zu sein. Du stellst fest, dass das nicht funktioniert. Du bist da. Und du redest Schwachsinn. Du beschließt, schreiend den Raum zu verlassen. Oder alternativ lächelnd und unter freundlichem Winken. Dann findest du, dass beides nicht wirklich die günstigste Lösung ist. Du hältst durch. Und wirst besser. Während du das feststellst, betten sich die ersten Zuhörer zur Ruhe. Es ist früher Vormittag und die Uhr des Laptops zeigt 22.03 Uhr an. Während du sprichst, stellst du durch eine zufällige Berührung fest, dass sich das Schulterpolster des Blazers keineswegs auf der Schulter befindet, wie eigentlich vermutet, sondern sich eher um deinen Hals wickelt. Du bist kurz vor einem hysterischen Lachkrampf. Du kommst am späten Nachmittag völlig entnervt nach Hause und erfährst, dass deine Kinder dringend gebügelte Hemden bzw. reparierte Hosen brauchen. Du stellst die allgemeine Kommunikation ein und stopfst dich mit sinnlosen Serien voll. Es ist später Abend. Die Uhr des Fernsehers zeigt 13.01 Uhr an. Dein e-Mail-Postfach teilt dir mit, dass du wohl gute und tröstliche Nachrichten erhalten hast. Du kannst sie nicht öffnen, da sich das Netzwerk verabschiedet. Du gehst ins Bett, ziehst dir die Decke über die Ohren und weißt genau, dass beim Erwachen am nächsten Morgen dieser Tag kein Traum sein wird. Äh, ach so - sollte ich hier mal festhalten, wie es mir geht??
punctum - 2. Apr, 23:41
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