Unterhaltung am Vormittag
Ab und an geh ich ganz gern mal etwas später ins Büro. Nicht etwa, dass ich zu faul zum Arbeiten bin, nein - gerade am Vormittag hat man zu Hause wunderbare Unterhaltung. Lauter nette Menschen rufen an und sind offenkundig um mein Wohl besorgt. Während ich gerade den Kaffee ansetze, klingelt um halb neun das erste Mal das Telefon. Es ist der Vertreter eines Weingutes, der mir vorschlägt, mich mit einem kleinen Besuch und diversen Kostproben zu beglücken. Wunderbare Idee - ich hab sofort diese berühmte Loriot-Szene vor Augen, wo Frau Hoppenstedt fröhlich verkostet, umringt von Weinvertreter, Staubsaugerexperten und Versicherungsmenschen. Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur... Naja, und so weiter. Hicks! Ich lehne dann doch dankend ab, eine Weinverkostung um diese Uhrzeit würde mich sofort auf den Status von "Ich muss sofort ins Bett" katapultieren. Und das passt heute grad ganz schlecht. Als nächstes meldet sich eine freundliche Dame, die genau weiß, dass ich die Geo lese und mir auch all die anderen wunderbaren Zeitschriften ihrer Verlagsgruppe zukommen lassen möchte. Gratis natürlich. Und umsonst. Aus räumlichen Gründen, so viel Platz hab ich nun auch nicht, muss ich leider ablehnen. Dann passiert zehn Minuten gar nichts und ich greife schon nach meiner Jacke und dem Autoschlüssel, da ruft noch ein ganz reizender Herr an, der sich sicher ist, dass ich demnächst bei einer Verlosung gewinnen werde. Ich bin zwar Optimist, aber in dieser Beziehung nicht ganz so sicher. Und bevor sich noch ein Versandhaus melden kann, das mit meiner Hilfe seine Existenz retten möchte, verlasse ich dann doch lieber das Haus. Meine Güte, richtig anstrengend, so ein Vormittag zu Hause.
punctum - 22. Jan, 19:43
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