so kalt.
er saß am fenster und wartete. das licht ausgeschaltet, den rechner heruntergefahren. so saß er im dunkeln in seinem sessel und genoss aus der wärme des zimmers heraus den blick in die eiskalte nacht. sterne und der angedeutete mond im klaren dunkel gaben dem schnee im vorgarten und auf dem weg zur straße ein kühles schattenblaues licht. der schnee glitzerte frostig. eine nacht, in der der atem nase und mund betäubte. die pflanzen im vorgarten spießten starr wie leblose eisbehauchte skulpturen aus dem schnee. er war froh um seinen warmen beobachterposten. eigentlich hätte er längst im bett liegen sollen, nur war er nicht so recht müde. eine folge der abendlichen auseinandersetzung wahrscheinlich. ihre schuld. warum auch sollte er unbedingt mit zu diesem abend bei ihren freunden. er hatte keine lust gehabt. einfach keine lust. es war schließlich schweinekalt und die vorstellung, das haus für einen simplen quatschabend zu verlassen, hatte ihn einfach nur angeödet. so wie ihn im moment alles anödete. er wollte seine ruhe haben, in ruhe gelassen werden. weiter nichts. offensichtlich war das zuviel verlangt, wie ihm der säuerlich-kühle blick seiner frau bedeutet hatte. letztendlich war sie allein gegangen. gottseidank. nur war ihm nun doch nicht so recht wohl zumute. womöglich gab's deswegen morgen noch etwas häusliche kälte. na gut. was sollte es. nach zwanzig jahren ehe wusste er ganz gut, dass ihr seine faulheit, seine trägheit einfach nicht passten. so wie ihn ihre aktivitäten ankotzten, in die sie ihn ständig einbeziehen wollte. so wie ihn jetzt gerade eigentlich alles ankotzte. verdammt noch mal, er wollte in ruhe gelassen werden, häusliche ordnung und frieden haben. weiter nichts. und irgendwie konnte er sich auch noch ein anderes leben vorstellen. eins, bei dem er nicht mit solch banalen dingen unter druck gesetzt wurde. eins, in dem er liebevoll umsorgt und geachtet wurde. sie passten wohl einfach nicht zusammen. während diese dinge durch sein hirn pulsierten, sah er sie schon nach hause kommen. sie ging schnell, schneller noch als sonst, wohl der kälte wegen. der anblick ihrer kleinen gestalt in dem langen mantel, mit den der kälte wegen hochgezogenen schultern, löste bei ihm keine freude aus. er empfand eigentlich gar nichts. sie öffnete das gartentor und bog auf den weg zum haus ein. zu schnell, zu unüberlegt. typisch für sie. nie dachte sie gründlich nach, bevor sie etwas tat. immer nach gefühl. immer spontan. und dann: sie glitt aus. glitt aus auf dem überfrorenen weg. stürzte. schlug mit dem kopf auf die kantensteine. blieb regungslos liegen. still. eigentlich hatte das alles, von ihrem erscheinen bis zum sturz, nur sekunden gedauert. er hatte es beobachtet. zur kenntnis genommen. so, wie er die sterne, den mond und die starre kälte draußen zur kenntnis nahm. seine erste innerliche reaktion war, aufzuspringen und zu ihr zu eilen. eine nur innerliche reaktion. in wirklichkeit tat er gar nichts. nichts. er saß einfach da und wartete. nichts. sie bewegte sich nicht. er lauschte in sich - aber er spürte nicht einmal sorge. er spürte gar nichts. er wartete. er sah zum thermometer - es zeigte -18 grad an. er wartete. er dachte nichts. er konnte nicht denken. wollte auch nicht. saß einfach da und wartete. er musste nur lange genug warten. nur sitzen und warten.
als sie die augen öffnete, konnte sie sich nicht so recht orientieren. ihre umgebung sah aus wie krankenhaus. der mann, der ihr so interessiert in die augen blickte, sah aus wie ein arzt. "hey, schön, sie wieder hier zu haben. sie haben unglaubliches glück gehabt: wenn ihr mann sie nicht zufällig gefunden hätte, sie wären wohl nicht mehr bei uns."
er saß am fenster und wartete. vielleicht hatte er den fehler seines lebens begangen. und doch fühlte er sich eigentlich ganz gut.
als sie die augen öffnete, konnte sie sich nicht so recht orientieren. ihre umgebung sah aus wie krankenhaus. der mann, der ihr so interessiert in die augen blickte, sah aus wie ein arzt. "hey, schön, sie wieder hier zu haben. sie haben unglaubliches glück gehabt: wenn ihr mann sie nicht zufällig gefunden hätte, sie wären wohl nicht mehr bei uns."
er saß am fenster und wartete. vielleicht hatte er den fehler seines lebens begangen. und doch fühlte er sich eigentlich ganz gut.
punctum - 3. Jul, 22:53
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