ein märchen
es war einmal ein kleines märchen. es war wirklich recht klein - gerade erst zur welt gekommen. und es war auch ziemlich, naja, also ziemlich kurz. grund genug, etwas deprimiert und unglücklich zu sein. andere märchen waren schon uralt, hatten manchmal sogar hundert jahre oder mehr auf dem erzählbuckel. und sie waren lang, füllten ganze ernst und wichtig aussehende bücher. dieses kleine märchen aber nahm gerade mal zwei oder - wenn man denn mit großen buchstaben und weiten abständen schrieb - vielleicht auch drei seiten ein. und so war es dieser unerheblichkeit wegen ein kleines, trauriges und deprimiertes märchen. bis es eines tages dem kleinen jungen vorgelesen wurde, als ein besonders lieb gemeintes geschenk. und da zeigte sich, was alles in ihm steckte: es erzählte von kunterbunten verzauberten vögeln, die in wirklichkeit liebe und lustige gedankentupfer waren, von einem klugen raben, der sprechen und guten rat geben konnte, von dem kleinen wuschel-etwas, das den schlaf des jungen bewachte und nachts insgeheim sein spielzeug ausprobierte. es hatte die träume in sich, die ein kleiner junge hat - und die manchmal froh sind und ihn im schlaf laut lachen lassen, manchmal aber auch erschreckend. der kleine junge hörte sich das märchen an - lächelte herzlich und schlief ein. und er träumte dieses mal keine erschreckenden dinge, sondern fühlte sich ganz warm umsorgt und geborgen. und als das kleine märchen dieses herzliche lächeln sah, da war es wieder froh und so gar nicht mehr deprimiert, und es fühlte sich auch nicht mehr nutzlos und minderwertig. es hatte ein kind zum lächeln gebracht. - gute nacht, schlaft schön!
punctum - 24. Jun, 00:04
3 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks











